Süddeutsche Meisterschaften in Heidelberg 2008

von Turngemeinde Würzburg e.V. 1848

Denkbar knapp an der Quali vorbei.

Am 25. Oktober fanden in Heidelberg die diesjährigen Süddeutschen Meisterschaften der Rhönradturner statt. Dieser Wettkampf ist in erster Linie ein Qualifikationswettkampf für die Teilnahme an den Deutschen Meisterschaften, wobei sich die Zahl der Startplätze bei den Deutschen Meisterschaften nach den Vorjahresergebnissen richtet: So war in diesem Jahr die Quote für die Teilnehmer aus dem Süden mit nur 8 Startplätzen bei den Turnerinnen sehr schlecht, Eine schwierige Situation für alle Wettkämpferinnen, vor allem angesichts der Tatsache, dass in diesem Jahr mit der mehrfachen Weltmeisterin Julia Pohling (SV Neuhof) und der Juniorenweltmeisterin Friederike Schindler (TSV Kirchhain) zwei absolute Spitzenturnerinnen nach mehrjähriger Wettkampfpause wieder in den Kampf um die Startplätze eingriffen.
Weitere Neuerung: Zum ersten Mal war die Disziplin Sprung obligatorischer Bestandteil des Wettkampfprogramms der Turnerinnen: Diese Disziplin, die in Deutschland bis letztes Jahr noch ausschließlich zum Wettkampfprogramm der Turner gehörte, war auf Druck des internationalen Rhönradturnverbands ins Wettkampfprogramm aufgenommen worden: Seit sie 1997 erstmalig bei den Weltmeisterschaften in Antwerpen als Demonstrationswettkampf durchgeführt wurde und gleich in diesem Jahr eine ehemalige Kunstturnerin aus Japan den Wettbewerb für sich entscheiden konnte, sahen die „ausländischen“ Rhönradturnerinnen (vor allem ehemalige Kunstturnerinnen) die Chance, ohne "großen Aufwand" die deutsche Konkurrenz zu überflügeln, da die deutschen Turnerinnen in dieser Disziplin – anders als im Geradeturnen oder gar im Spiraleturnen, wo die Aktiven aus dem Ausland noch weit vom deutschen Leistungsniveau entfernt waren (und noch immer sind!) – auf gleicher Ebene mit dem Rest der Welt antreten müssen. Nachdem der Sprung im internationalen Wettkampfprogramm schon seit 2001 eingeführt worden war, hat der DTB in diesem Jahr nun nachgezogen, so dass die Damen einen Dreikampf bestehend aus Kür-Sprung, Kür Gerade mit Musik und Kür Spirale zu absolvieren hatten. Ein Grund vielleicht dafür, dass im Süden in diesem Jahr nur 13 Starterinnen angetreten waren, denn je später man sich mit dieser Disziplin befasst, desto schwieriger ist auch der Einstieg. Nicht wenige Turnerinnen haben auf Grund der Aussichtslosigkeit, im Sprung den Anschluss an das nationale oder internationale Niveau zu finden, ihre Karriere im letzten Jahr beendet.
Umso höher einzuschätzen ist der Mut von Dominique Walz, sich dieser Herausforderung zu stellen. Nachdem sie sich im vergangenen Jahr – u.a. beim Erlernen des Salto rückwärts vom Rhönrad – eine langwierige Bänderverletzung zugezogen hatte, musste sie notgedrungener Weise auf einen leichteren Sprung ausweichen, mit dem sie natürlich auch nicht die Wertungen erzielen kann, die nötig wäre, um vorne mitzuhalten. So lag sie bereits nach dieser ersten Disziplin abgeschlagen auf dem letzten Rang. Mit ihren Leistungen in der Gerade-Musikkür konnte sie zwar wieder Boden gut machen, aber auch die Spirale lief nicht ganz nach Plan: Obwohl sie gerade in dieser Disziplin eine wirklich gute Kür „auf Lager hat“, konnte sie ihre Leistung im Wettkampf nicht voll abrufen und turnte nur die „abgespeckte Sicherheitsversion“. Am Ende waren es dann 0,55 Punkte, die ihr zum angestrebten Qualifikationsplatz 8 fehlten. Natürlich war die Enttäuschung bei allen Beteiligten sehr groß, aber an der Regeländerung wird sich wohl in der Zukunft nicht mehr rütteln lassen: Zu groß ist der Druck des Auslands, die in der Disziplin Sprung die „große Chance“ erkannt haben, die deutsche Vormacht im Rhönradturnen zu brechen. Daher müssen sich alle Vereine darauf einstellen, diese „Kröte zu schlucken“, die höheren Trainingsaufwand, höheren zeitlichen Einsatz von Übungsleitern und Aktiven etc. fordert – und das in einer Zeit, wo die Schüler und Jugendlichen durch das G8 stärker als je zuvor in ihrer Freizeit eingeschränkt sind und die Entlohnung der Trainer gegen Null geht....Für viele Vereine und Aktive wird das den Rückzug aus dem Leistungssport bedeuten und ob das der ohnehin schon sehr „dünnen Basis“, auf der das Rhönradturnen steht, gut tun wird, das muss sich in der Zukunft erweisen.
Für Dominique bedeutet diese Entwicklung die Entscheidung, sich stärker auf den Sprung zu konzentrieren, d.h. die Angst zu überwinden und es doch noch mal mit dem Salto rückwärts zu versuchen, um einen konkurrenzfähigen Sprung bieten zu können, oder eben nicht mehr in der höchsten deutschen Leistungsklasse anzutreten – was besonders ihre Trainer bedauern würden. Denn nimmt man nur die Gerade- und Spiraleergebnisse zusammen (so wie das ja im letzten Jahr noch der Fall war), so hätte sie einen guten 6. Platz belegt und sich problemlos für die Deutschen Meisterschaften qualifiziert.....

Auszug aus der Siegerliste:

Mehrkampf L10 weiblich:

  1. Kathrin Schad                    TG Seitingen-Oberflacht                   23,60 P
  2. Julia Pohling                       SV Neuhof                                        23,50 P
  3. Friederike Schindler           TSV Kirchhain                                   22,65 P
  4. Isabell Büttner                   ASV Rimpar                                      19,75 P
  5. Dominique Walz               TG Würzburg                                  19,20 P

Zurück